Zum elften Mal tragen die besten Pyrotechniker der Welt in diesem Jahr ihre Meisterschaft aus. Wie in den vergangenen Jahren auch, wird erneut das Maifeld vor dem Berliner Olympiastadion Schauplatz des Wettstreits sein. Zugegebenermaßen ist das Fotografieren von Feuerwerk schon ein kleiner Spleen von mir geworden. Deshalb konnte ich mir das Angebot nicht entgehen lassen, auch einmal dieses Feuerwerk auf Höchstniveau fotografieren zu dürfen. Bis es soweit ist, habe ich in diesem Artikel einige Informationen über das weltweilt wohl beliebteste Feuerwerksfestival zusammengetragen.

Mit verändertem Modus in die neue Dekade

 Die Veranstalter der Pyronale: Gerhard Kämpfe, Mario Hempel, Markus Katterle und Peter von Löbbecke

Die Veranstalter der Pyronale: Gerhard Kempfe, Mario Hempel, Markus Katterle und Peter von Löbbecke

Der Modus nach dem die Wettbewerbe ausgetragen wurden sah bisher vor, dass sich die einzelnen Länderteams zuerst in der Farbvorgabe beweisen mussten. Dieser Teil wurde ohne Musik absolviert und jedes Team hatte eine Minute Zeit, die beiden vorgegebenen Farben möglichst harmonisch einzusetzen. Darauf folgte ein vier minütiger Teil mit vorgegebener Musik zu der ein möglichst passendes Feuerwerk dargeboten werden musste. Als Abschluss hatten die Teams 10 Minuten Zeit, ihr Land zu präsentieren. In dieser freien Runde, konnte die Musik bisher frei gewählt werden. Und genau hier gab es eine Regeländerung in diesem Jahr: Wie bereits im Pflichtteil müssen die Teams jetzt mit vorgegebener Musik begnügen. Die Veranstalter haben im Vorfeld eine weitgefasste Auswahl an europäischer Klassik zu einem Musikpool für den landestypischen Teil zusammengetragen. Aus diesem musste sich jedes Team im Vorfeld ihr musikalisches Programm für den Vortrag zusammenstellen. Wie sich das auf die Attraktivität des Events auswirkt, muss sich in diesem Jahr zeigen.

Mörser und Obelisken am Maifeld

Mörser und Obelisken am Maifeld

Ich selbst konnte im letzten Jahr als regulärer Besucher erleben, wie ungerecht der alte Wettbewerbsmodus sein kann.  So hatte man gerade in diesen freien Teilen der Teams dann einen deutlichen Leistungsunterschied wahrnehmen können. Denn nicht jedes landestypische Stück, gibt eine gute Untermalung für ein Feuerwerk her. Teams wie die sympathischen Damen aus Spanien, haben sich für eine eher strikte Auslegung dieser Freiheit entschieden und mit traditionellen spanischen Klängen, wohl auch die schwierigere Aufgabe zu meistern gehabt. Nicht zuletzt auch durch wenig bekannte und eingängige Lieder mussten sie in der, mit 30% Einfluss auf die Gesamtwertung, wichtigen Publikumsabstimmung richtig Federn lassen.

Die Entscheidung der Veranstalter zu einer Anpassung des Reglements kann man hier sicher verstehen. Aber so ein Event lebt nun einmal durch die Begeisterung der Menschen, die das Geld für die Tickets bezahlen. Der Veranstalter kündigt auf seiner Website Ausschnitte aus 73 populären Werken klassischer Komponisten an, aus denen die Teams wählen können und nennt das Pyronale Classics. Ich blicke derzeit noch mit einer gesunden Skepsis darauf, ob diese Änderung im Reglement den gewünschten Effekt bringt und die Leistungen der Teams vergleichbarer macht, ohne das Publikum vor den Kopf zu stoßen. Die Veranstalter geben sich indes optimistisch: Man habe doch mit den vorgeschlagenen 600 Minuten Musikmaterial durchaus auch sehr bekannte Stücke ausgewählt, bei denen sich viele Besucher wahrscheinlich bisher gar nicht bewusst waren, dass es sich dabei um klassische Werke handelt, betont Gerhard Kämpfe. Aus diesen 600 Minuten haben sich die Teams jeweils 10 Minuten ausgesucht, mit denen sie ihr Programm bestreiten. Man erhofft sich davon neben der besseren Vergleichbarkeit aller Feuerwerke auch einen positiven Überraschungseffekt beim Publikum und ist sich sicher, dass es den Abend bereichern wird.

Sicherheit und Kreativität – worauf die Jury wert legt

 Markus Katterle, Geschäftsführer der Firma FlashArt und Mitglied der Jury, erklärt die Funktion der Feuerwerkseffekte

Markus Katterle, Geschäftsführer der Firma FlashArt und Mitglied der Jury, erklärt die Funktion der Feuerwerkseffekte

Neben dem Publikum bewertet aber auch eine, unter anderem mit erfahrenen Pyrotechnikern und dem Leiter der Fachgruppe II.3 Explosivstoffe der Bundesanstalt für Materialprüfung (BAM) Herr Dr. Dietrich Eckhardt, hochkarätig besetzte Fachjury die Leistungen der Teams. Diese betrachten dabei aber nicht nur das Feuerwerk, sondern auch das Komplette Drumherum. Beurteilt werden unter anderem die Logistik der Teams und der sichere Umgang mit den Arbeitsmaterialien von der ersten Minute an. Und die Sicherheitsvorkehrungen sind nicht nur an den Veranstaltungsabenden enorm. Die explosiven Ladungen dürfen nur von geschultem Fachpersonal und auf vorher zugelassen Wegen das Stadion erreichen. Hier wird aus gutem Grund ein sehr hoher Aufwand betrieben. Diese Vorkehrungen zeigen dabei aber auch durchaus ihre Wirkung: Seit Kriegsende sind insgesamt weniger professionelle Pyrotechniker zu Schaden gekommen, als in einer einzigen Silvesternacht in Berlin.

Sicherheit steht bei diesem Event generell an vorderster Stelle. Rund um den Glockenturm ist aus diesem Grund auch mit Straßensperrungen zu rechen. Zum Einsatz kommen immerhin bis zu 15 cm große Bomben mit einem Gewicht bis zu 3 Kg. Mehr ist aus Gründen der Sicherheit nicht erlaubt.

Neben der Sicherheit gehört aber auch die Kreativität der Teams zu einem der Kernelemente der Bewertung. Die, nicht weniger prominent besetzte, Kreativjury unter der Leitung von Rudolf Schenker (Scorpions) bewertet jedoch weniger die technischen Aspekte der Feuerwerke. Musikauswahl, kreative Umsetzung der vorgegebenen Elemente und Farben, Synchronität von Effekten und Musik sowie die Einhaltung der kreativen Regeln werden von Ihnen unter die Lupe genommen und bewertet. Unterstützung erhält das deutsche Rock-Urgestein dabei von den beiden Schauspielern Pierre Besson (Tatort, uvm.) und Gedeon Burkhard (Inglourious Basterds, Kokowäh 2, uvm.) und einer ganzen Reihe weiterer Kreativschaffender aus Berlin und dem Rest der Republik.

Wenig reglementierte Kreativität

Blick von oben auf die Shootingrange am Maifeld. Im HIntergrund das Olympiastadion.

Blick von oben auf die Shootingrange am Maifeld. Im HIntergrund das Olympiastadion.

Kreativität braucht Freiraum. Und den bekommen die teilnehmenden Teams auch eingeräumt. Dennoch gilt es, gewisse Anforderungen zu erfüllen. Dazu gehört zum einen die Einhaltung der Farbvorgaben. Dazu muss die erste Minute des Feuerwerks auf den Farben Blau und Grün basieren und ohne Musik bestritten werden. Im zweiten Teil muss ein vierminütiger Ausschnitt aus der Overtüre 1812, Op. 49 von Peter Ilyich Tchaikowsky mit einem passenden Feuerwerk illsutriert werden. Im dritten und letzten Teil, der Kür, geht es um die freie Entfaltung der Kreativität. Hier muss sich lediglich an die vorher ausgewählten Stücke klassischer Musik gehalten werden. Und natürlich muss die Musikfeuerwerken eigene Synchronität der einzelnen Effekte passend zur Musik eingehalten werden.

Die Teams

Team beim Aufbau

Eines der Teams beim Aufbau

Ein solches Event steht und fällt deshalb natürlich mit den antretenden Teams. Und bereits vorab kann man schon sagen, dass die sechs Teams die heute Abend und morgen den Himmel über Berlin mit ihrer Kunst entzünden werden zu dem Besten gehört, was die internationale Pyrotechnik derzeit zu bieten hat. Aus über 90 Bewerbungen haben es diese sechs Teams geschafft, zur Veranstaltung eingeladen zu werden: Am Freitag treten aus Frankreich die Firma artEventia, aus Polen das Team Super Power und aus Brasilien die Vision Show Group an. Am Samstag kämpfen die Österreicher von fireevent, die rumänischen Pyro Events und Macedos aus Portugal um die Krone der Pyrotechnik.

Aber auch nach den „großen“ Feuerwerken lohnt sich das Sitzen- oder Stehenbleiben! Die Firma FlashArt wird auch in diesem Jahr an beiden Abenden ein fulminantes Abschlussfeuerwerk präsentieren. Los geht’s heute und morgen Abend um 20:45 Uhr. Der Einlass beginnt bereits um 18:30 Uhr. Tickets gibt es noch an der Abendkasse! Dabeisein lohnt sich!

Letztes Jahr Gast, dieses Jahr als Fotograf

Auch wenn das Zuschauen letztes Jahr wirklich Spaß gemacht hat, freue ich mich in diesem Jahr besonders über die Gelegenheit auch selbst auf dem Gelände fotografieren zu dürfen. Wer mich kennt oder auch meinem 500px Account folgt weiß, dass es eine besondere Leidenschaft für mich geworden ist, Feuerwerke zu fotografieren. Und so freue ich mich schon seit Wochen auf diesen Moment. Ich hoffe, ich kann euch dann auch einige Bilder von den beiden Abenden zeigen. Und wer mich morgen auf dem Gelände persönlich treffen will, der schreibt mir am besten auf Twitter. Ich freue mich von euch zu lesen!

Falls Ihr heute Abend nicht in Berlin dabei sein könnt, euch aber dennoch schon mal schöne Feuerwerke ansehen wollt, dann könnt ihr auch hier auf meiner Website fündig werden! Zum Beispiel in der Galerie über das Prachtfeuerwerk der Firma Weco im Februar 2015 oder auch von der Produktvorführung der Firma Weco aus 2016.

Auch auf meinem 500px-Account und in meinen Facebookgalerien findet ihr viele tolle Feuerwerksbilder vom Testschießen 2015 bei Röder-Feuerwerk und vom Abschlussfeuerwerk des Nürnberger Frühlingsvolksfestes.