Dogfight Sox, sicher ein ungewöhnlicher Name für eine Band aus der schwarzen Szene, aber wenn Du Dir dieses Review durchgelesen hast und Dir die Musik dieses Duos aus Stein bei Nürnberg einmal mit offenen Ohren angehört hast, wird Dich auch der Name nicht mehr wundern. Dogfight Sox wird alles auf den Kopf stellen, was Du bisher als Musik gekannt hast und Dich bei jedem Durchlauf des Albums aufs neue überraschen.
Nun besteht bei Reviews um die man sich als Band “beworben” hat immer auch die Gefahr an den Falschen zu kommen und auch in unserer Redaktion sind wir uns nicht einig wie Zielgruppen-gerecht die Musik von Dogfight Sox ist und wo wir sie einsortieren sollten. Auch sie selbst sind sich nicht richtig einig und beschreiben ihre Musik als, Zitat “ElectroIndustrialHipHopMetal oder so etwas ähnliches”. Aber gerade im Underground muss man eben auch mal ein bisschen Klinken putzen. Da wir uns eh schon seit einiger Zeit mit dem Wunsch tragen, den Bands aus dem Underground generell, und aus unserer Region rund um Nürnberg im Besonderen, zu fördern, möchten wir hier auch gleich einen Anfang machen.
“We are the Madhouse Band”
Wahrscheinlich ohne wirkliche Absicht treffen Sie damit aber vollkommen ins Schwarze. Ungewöhnliche Kombinationen quer durch sämtliche Stilrichtungen prägen dieses Album, das bereits am 13. April 2012 beim amerikanischen Industriallabel Dungeon Records veröffentlicht wurde. Auf mutige Art und Weise werden HipHop-Elemente mit Electrosounds gemischt nur um in der nächsten Strophe wieder der Monotonie des ursprünglichen Industrial gegenüberzustehen, in der die Geräusche noch nicht aus dem Computer kamen, sondern tatsächlich von Hand gemacht wurden. Wenn man sich gerade an diese ungewohnlichen Kombinationen gewöhnt hat, kommt man mit dem sehr psychedelischen Track “Ma Shroom” auf einmal in den Jazz der 60er Jahre mit allem, was dazu gehört – auch dem Saxophon – und sieht sich immer wieder überrascht von der Tatsache, das es wirklich funktioniert. Das man mit “Transmigration” dann einen instrumentalen Track eingestreut hat fällt kaum noch auf. Man erwartet einfach alles, ausser dem, was man bisher gekannt hat. “Heavy Rain” streckt sich dann noch weiter nach oben und schafft es gekonnt Hellectro-Vocals mit Deathmetal-Grunts, schweren Gitarren, elektronischer Musik, HipHop und der Leichtigkeit orientalisch angehauchter Akkustikgitarrenklänge zu kombinieren. Oberflächlich ruhiger geht es dann mit “Picture” weiter. Im Stile eines Fred Durst mit Vocoder “hiphopt” man sich zu cleanen Gitarren durch einen Song, der es aber textlich faustdick hinter den Ohren hat und am Ende sieht man sich dann auf einmal mit einem Song konfrontiert der Manson alle Ehre machen würde.
“We are going to have open sexual Intercourse!”
Wenn man dann denkt, man hätte schon alles mögliche gehört, das aus dieser Wunderkiste herauskommen kann zaubern die Nürnberger mit “Candy” auf einmal einen erstklassigen HipHop Track aus dem Hut, der Anfängt wie ein Song von Agonoize und in den (wahnsinnigen) Melodien auch irgendwo in der elektrischen Ecke bleibt, bevor man dann mit “Decarnation”, dem Outro der CD merkt, das man nun tatsächlich am Boden angekommen ist. Aber das merkt man nicht ohne noch mal mit etwas neuem auf den gedanklichen Heimweg aus diesem Wahnsinn entlassen zu werden. Martialisches Schlagzeug trifft auf sphärische Klänge gemischt mit dem Soundtrack eines Italo-Westerns der 70er Jahre und einer Oboe. Und alleine dieser Track animiert mich jedes mal wieder aufs neue dazu, mir diese CD noch einmal anzuhören. Und dann stellt man doch fest, das gerade ca. 30 Minuten vergangen sind, ohne, dass man es gemerkt hat. Vom Outro in melancholischer Stimmung zurückgelassen versucht man sich an das gerade gehörte zu erinnern und kommt schließlich zu dem Schluss, das es wirklich das beste ist, nochmal von vorne anzufangen.
Dogfight Sox ist das Kunststück gelungen etwas vollkommen Anderes zu machen und dabei auch noch qualitativ hochwertige Musik abzuliefern, für die man kein verkopfter Kunstkritiker zu sein braucht. Dabei ist das Album “Lunatic Fairytales” jedoch ebenfalls nichts für denjenigen der Pop-kompatible Musik bevorzugt, die er nur zu konsumieren braucht. Zu komplex ist das Songwriting und die Wechsel die man im Kopf vollziehen muss. Zu fließend die Grenzen zwischen den einzelnen Genres. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen und jedem der sich für neues interessiert, der ohne Scheu über den Tellerrand seiner bevorzugten Musikrichtung blicken kann, ohne dort nur Idioten zu sehen, sei diese CD ans Herz gelegt. Da dies aber leider nicht sehr viele Menschen sind, wird diese Band wohl immer eher ein Nischen dasein führen. Ich bin froh, die Musik von Dogfight Sox kennengelernt zu haben, die ab jetzt auf wunderbare Weise meine Musiksammlung ein kleines bisschen bunter macht und gebe dieser Veröffentlichung 5,5 von 5 Punkten. Ja, ich bin begeistert und freue mich auf mehr davon in der Zukunft! Auch wenn ich mich damit ordentlich aus dem Fenster lehne, bin ich davon überzeugt, das es sich dabei um die, in meinen Augen, beste Veröffentlichung dieses, noch recht jungen, Jahres handelt!
Und das beste kommt bekanntlich zum Schluss: Lunatic Fairytales gibt es absolut kostenlos zum Anhören und auch zum Download auf der Labelseite von Dungeon Records oder auch direkt bei uns am Ende des Artikels! Also hast Du auch keine Ausreden mehr, Dir dieses Album nicht anzuhören. Also auf geht’s! Runterladen, Anhören, begeistert sein (hoffentlich!) und deinen Freunden empfehlen!
5,5 von 5 Punkten
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Tracklist:
Incarnation
Motherfucker Royale
Run Through The Jungle
Ma Shroom
Transmigaration
Heavy Rain
Picture
Candy
DecarnationSpielzeit: 27:33 |