Force.Is.Machine liefern Dir stilsicheren Harsh-EBM
Stilsicherer Harsh-EBM? Das mag für viele vielleicht ein wenig befremdlich klingen, aber es gibt ihn tatsächlich. Fern vom Geschreie und Gekeife findet man doch nochmal eine Perle. Während ich diese Veröffentlichung zum dritten mal durch meinen Gehörgang hallen lasse, versuche ich mich an ein ähnliches Album zu erinnern. Aber leider ohne Erfolg, denn am ehesten erinnern sie vielleicht noch an frühe [:S-I-T-D:], aber damit redet man nur über die Hälfte des ganzen.
So nehmen sich Force.Is.Machine im Laufe der gesamten EP bewust oder unbewusst immer wieder kleine Stilmittel aus Veröffentlichungen bekannter Szenegrößen vor und spielen damit. Sie Verweben diese in Ihren eigenen Stil, aber lassen sie dabei stets erkennbar, wodurch sich die Ursprüngliche Intention des Komponisten sogar noch verstärkt. Zum Beispiel erinnern mich Bestandteile des ersten Stückes an “Das Mädchen aus dem Jenseits” von Samsas Traum, was dem Lied gleich einen umso beklemmenderen Unterton mitgibt. Ein wenig später, hört sich der verwendete Synthie fast an, wie der von VNV Nation. Natürlich sind das alles nur subjektive Empfindungen und wahrscheinlich finden andere Menschen dort wiederum ganz andere Teile. Tatsache ist aber, das man hier nicht einfach nur kopiert oder sich schlicht bedient. Man formt daraus einfach etwas neues und fügt es dann nahtlos in die eigenen Kompositionen ein. Musikalisch legt diese Veröffentlichung die Messlatte schon recht hoch an. Der Gesamteindruck der EP wird von Abwechslungsreichen Melodien und Rhythmen bestimmt, wodurch sich die Musik nicht gleich auf Anhieb erschliest, dafür aber um so mehr fesselt, wenn man einmal erkannt hat, worum es geht. Dabei gibt es auch durchaus tanzbares zu vermelden, nur muss man sich dann eben ein bisschen darauf einlassen.
Zum Inhalt der Songs lässt sich nicht viel sagen. Allenfalls anhand der Tracktitel und der wenigen cleanen Samples lässt sich erahnen, was sich dahinter verbirgt. Die Stimme ist nahzu zur Unkenntlichkeit zerhäkselt und mutiert dadurch schon mehr zu einem weiteren Instrument, als einem tatsächlichen Gesangspart. Somit bleibt einem immerhin die genretypische Thematik rund um Geschlechtsverkehr in allen möglichen Lebenslagen und Variationen erspart. Hab ich ja prinzipiell mal nichts dagegen, aber wenn man in jedem zweiten Lied irgendwelche sexuellen Vorlieben vorzelebriert bekommt, dann ist’s auch mal wieder ganz schön was anderes zu hören.
Das einzig wirklich Negative an diesem Album ist die, mit gerade einmal fünf Liedern und knapp 25 Minuten Gesamtspielzeit recht kurze, Dauer der EP. Ich bin mir bewusst, daß dies für eine EP eine normale Laufzeit ist. Dennoch: Gerade, weil die einzelnen Lieder so abwechslungsreich und kurzweilig sind, fällt dies besonders ins Gewicht. Von dieser Art Musik kann man gerne noch ein wenig mehr vertragen! Ich hätte mir auf jeden Fall mehr gewünscht.
Auch wenn ich glaube, das es für einen kommerziellen Erfolg bei dieser EP nicht ganz reichen wird, haben Force.Is.Machine durchaus das Potential einmal zu den großen Nummern der Branche zu gehören. Ich drücke auf jeden Fall die Daumen. Man bekommt hier, wie Eingangs beschrieben, stilsicheren und durchdachten Harsh-EBM an der Grenze zum Industrial, dem es nicht an Agressivität mangelt und der nach einiger Zeit sehr gut ins Ohr geht.
4.5 von 5 Punkten
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Tracklist: |
Anspieltipps |
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- Defunct
- The Letter
- System Failure
- Todeslager II
- Resurrection
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1,2,3,4,5
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