Eines muss man dieser Band ja lassen: Sie bringen seit mittlerweile 13 Jahren Jahren jährlich mindestens ein bis zwei Alben auf den Markt und das alleine hat schon allen Respekt verdient, denn mit Soko Friedhof sind die beiden ja auch noch unterwegs und auch dort ist ja erst im Mai das letzte Album veröffentlicht worden.
So haben wir jetzt also Album Nummer 19 und 20 vorliegen, welche auf die Namen Zombie 1 (Der Tag danach) und Zombie 2 (The Revenge) hören. Eigentlich sollte man diese Alben wohl getrennt bewerten, handelt es sich doch bei beiden um vollwertige Veröffentlichungen. Da sie aber am gleichen Tag erschienen und thematisch auch zusammenpassen, werde ich mich nun an einer Doppelrezension versuchen.
Fangen wir von vorne an. Zuerst empfangen einen die Coverartworks fast im Stile von alten Filmplakaten aus den 80ern. Aber man muss auch sagen, das es dem Designer der Artworks nicht wirklich gelungen ist, dieses Gefühl lange aufrecht zu erhalten. Zu schlecht wurde hier an den Fotos manipuliert. Hier ein bisschen rot und da verrenkte Gliedmaßen – das ist es einfach nicht. Auch diese Postapokalyptische Welt, die im Hintergrund stattfinden soll finde ich ein bisschen dick aufgetragen und damit am Thema vorbei gestaltet. Thema ist ja nicht die Zeit nach dem nuklearen Winter.
Aber wollen wir uns nicht länger damit aufhalten. Kommen wir lieber zu dem was eigentlich entscheidend sein sollte: die Musik.
Bereits am Anfang der ersten CD wird man von einem sehr eigenwilligen Sound empfangen, der im ersten Moment ungewohnt und falsch daherkommt, sich aber, noch im Laufe des ersten Liedes und im weiteren Verlauf der CD wunderbar einfindet. Auch wenn ich mich manchmal (nicht oft) über wegbrechende Bassspuren und komische Gitarrensounds gewundert habe. Nachdem ich mir selbst eingeredet habe, das es sich dabei wohl um Stilmittel handeln könnte, die das Chaos musikalisch versinnbildlichen sollen, hat es sich gut eingefügt. Ich möchte aber auch nicht vergessen zu erwähnen, das man die Art Musik die einem von der ersten Minute an präsentiert wird schon auch mögen muss. Zwar ist diese Doppelveröffentlichung zu 95% auf irgendeine Art und Weise tanzbar, hat einen guten Rhytmus und auch spannende Bögen auf Seite der Handlung und auch musikalisch, aber für den einen oder anderen mag es vielleicht ein bisschen schwerer zugänglich sein.
Langweilig wird diese CD nicht
Und dass macht es auch so problematisch diese Veröffentlichung zu beschreiben. Es ist schwer die Musik zu greifen und in Worte zu fassen. Erweckt sie doch am Anfang noch sehr das Gefühl, als würde man durch ein musikalisches Fenster irgendwo in die späten 70er blicken ändert sich dieses Gefühl im Verlauf der CD mehrfach. Auch findet relativ oft ein Wechsel zwischen sehr eingängigen Passagen und ziemlich sperrigen Melodien statt. Langweilig wird diese CD auf jeden Fall zu keiner Minute. Bei mitreißenden Songs wie “Ein jeder stirbt für sich allein”, was wir wohl in Zukunft noch öfter in den Clubs hören werden, oder auch dem eher mit einem Augenzwinkern zu sehenden Track “Stirb und Friß”, bei dem dann aber auch schon eine gesellschaftskritische Grundstimmung mitschwingt, kein Wunder. Hörenswert ist ebenfalls der Track “Zombies in the night”. Mein absoluter Liebling dieses Albums ist aber die Ballade “Schwarzer Oktober” in der eigentlich nur eines nicht passt: Manchmal wirkt Greta Csatlós’ Stimme einfach zu quäkig und gepresst. Da wäre ein wenig weniger Gefühl im Gesang vielleicht die bessere Wahl gewesen. Auf jeden Fall ein echtes Highlight und absolute Anspielpflicht, auch wenns mal ein bisschen düsterromantisch sein darf. Denn das können die Untoten ja eigentlich auch am besten.
In dieses düsterromantische Gefühl mischt sich aber immer vordergründiger ein sehr beklemmendes Gefühl des Unwohlseins. Impliziert durch die Musik passt das schon sehr gut in diese postapaokalyptische Thematik und gipfelt am Ende im letzten Track von Zombie 1 (Der Tag danach), “Warning”, in etwas das mich total mitgerissen hat. Vielleicht braucht man aber auch ein gewisses Alter um zu verstehen, welches Ausmaß an Gesellschaftskritik und real existierender Angst in diesem einen Track untergebracht wurde. Dieses Ende der CD mit dem damit verbundenen Schweigen hat unbändige Lust auf mehr gemacht und die zweite CD mit dem Titel Zombie 2 (The Revenge) hat diese Lust und Erwartungshaltung dann noch zusätzlich befeuert.

- Untoten – Zombie 2 (The Revenge)
Jammern auf hohem Niveau
Doch wie das leider oft so ist mit Fortsetzungen bleibt die Realität dann weit hinter den Erwartungen und bereits beim ersten Track wird man schon ziemlich enttäuscht. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Das was jetzt kommt ist jammern auf hohem Niveau.
Der Einstieg in die Zombie 2 (The Revenge) gelingt mit dem Track “Wunderbar” noch ganz gut, weil hier auch wieder sehr griffig und kritisch über unsere Gesellschaft philosophiert wird: ”Man ging schon früher über Leichen, doch sonst war alles wunderbar.” Doch dann wars das schon langsam wieder mit der zweiten CD. Noch während des ersten Liedes fängt es schon an eher eintönig zu werden und ohne richtige weitere Highlights vor sich hinzuplätschern. In meinen Augen einfach zu wenig für eine CD, die einen solchen Vorläufer wie Zombie 1 (Der Tag danach) hat und mit einem solchen Untertitel (The Revenge) versehen wird. Auch finde ich, das man es irgendwann mit den sozialkritischen Anspielungen einfach auch übertrieben hat. Ich hab mich zumindest irgendwann davon angenervt gefühlt. Wohl vorallendingen deswegen, weil es nicht mehr so intelligent gemacht wurde wie auf der ersten CD.
Schade finde ich auch, das man versucht Titel / Zeit zu schinden, in dem man Tracks hinzaubert die einfach nur aus Samples bestehen. Die, in Ausschnitte aus Dokumentationen oder Nachrichten gepackte Hommage an George A. Romero wirkt irgendwo ziemlich unpassend, zumal ich auch keinen wirklichen Bezug zu seinen Filmen herstellen kann, was aber nicht heissen muss, das er nicht da ist. Der letzte Romero den ich gesehen hab, ist schon eine ganze Weile her.
Aber natürlich hat auch diese CD ihre lichten Momente und dazu gehört auf jeden Fall auch oben bereits erwähnter Track “Wunderbar”, sowie “Komm nach Haus” und “Von hier oben”. In diesen Tracks blitzt noch einmal auf, was die erste CD zu etwas besonderem gemacht hat. Auch noch positiv zu erwähnen ist erneut “Schwarzer Oktober”, diesmal jedoch in der Orchester-Version, die aber nur marginal anders ist, als die Album Version.
Alles in allem verhält es sich mit der zweiten CD wirklich wie mit den Fortsetzungen von Zombie-Filmen: Im Idealfall sind sie nett für einmal und sie hinterlassen immer irgendwie einen schalen Beigeschmack, wenn sie zuende sind. Und genauso ist es mit dieser CD. “Joa, ganz nett.”, war mein erster Gedanke. Aber halt leider auch nicht mehr.
Ein Nachgeschmack bleibt
Greta Csatlós und David A. Line alias die Untoten legen uns hier ein Konzeptalbum vor, das vielleicht nicht den erwarteten großen Wurf darstellt, mich aber dennoch in weiten Teilen gut unterhalten hat. Das hohe Niveau mit dem man aus dem ersten Album entlassen wurde, wird im zweiten Album leider nicht erreicht und enttäuscht dadurch natürlich, weshalb ich wahrscheinlich auch schon wesentlich schwächere Alben besser dargestellt habe, als dieses. Aber wenn ich als Band zwei Alben am gleichen Tag veröffentlichen will, dann muss man einfach wissen, das Erwartungen vorhanden sind, die vielleicht an zwei getrennte Releases nicht gestellt worden wären.
Wenn man sich dann aber wiederum den Preis für beide Alben ansieht, dann stellt sich mir die Frage, warum man die CDs nicht einfach als Doppelalbum für die gängigen 20 – 25 € herausgebracht hat, sondern als zwei einzelne, die zusammen dann 34 € kosten. Wie gesagt, irgendwie ist ein bisschen ein unschöner Geschmack dran.
Für Zombie 1 (Der Tag danach) kann ich Dir getrost eine absolute Kaufempfehlung geben, wenn Du sowieso Fan, der Untoten bist, aber auch für den neuen Hörer hat diese CD viel zu bieten. Es lohnt sich auf jeden Fall. Bei Zombie 2 (The Revenge) sieht das ein bisschen anders aus, auch wenn die CD an sich nicht schlecht ist, hat sie mich einfach nicht überzeugt. Insbesondere nicht im Zusammenspiel mit der ersten CD.
Und so fällt dann leider auch das Gesamtresultat eher ernüchternd aus: lediglich 3,5 Punkte von 5 möglichen Punkten für diese Doppelveröffentlichung, da die Schwächen in der zweiten CD die Wertung einfach nach unten ziehen. Alleine hätte die erste CD wahrscheinlich 4,5 oder 5 Punkte bekommen.
Tracklist:
| Zombie 1 (Der Tag danach) |
Anspieltipps (Zombie 1) |
Zombie 2 (The Revenge) |
Anspieltipps (Zombie 2) |
| 1 |
Ein Zombie hing am Glockenseil |
1 |
Ein Jeder stirbt für sich allein |
1 |
Wunderbar |
1 |
Wunderbar |
| 2 |
Stille in den Städten |
2 |
Stirb und Friss! |
2 |
Zombie 2 |
2 |
Komm nach Haus! |
| 3 |
Interlude |
3 |
Schwarzer Oktober (Auf Anfang zurück) |
3 |
Eine Meile unter dem Meer |
3 |
Von hier Oben |
| 4 |
Ein Jeder stirbt für sich allein |
4 |
Zombies in the Night |
4 |
Asche fiel… |
4 |
Schwarzer Oktober (Orchesterfassung) |
| 5 |
Dem Tod ins Gesicht |
|
|
5 |
Komm nach Haus! |
|
|
| 6 |
Im Tempel der Glückseligkeit |
|
|
6 |
Von hier Oben |
|
|
| 7 |
Tempelkrieger |
|
|
7 |
Zombie-Liebe |
|
|
| 8 |
Finsternis |
|
|
8 |
Die letzte Nacht |
|
|
| 9 |
Schwarzer Oktober (Auf Anfang zurück) |
|
|
9 |
Todessymphonie |
|
|
| 10 |
Stirb und Friss! |
|
|
10 |
Hexerei |
|
|
| 11 |
Targets |
|
|
11 |
Schwarzer Oktober (Orchesterfassung) |
|
|
| 12 |
Abgrund |
|
|
12 |
Irgendwann |
|
|
| 13 |
Day of the Dead |
|
|
13 |
Mama Papa Zombie |
|
|
| 14 |
Zombies in the Night |
|
|
14 |
In dieser Stadt |
|
|
| 15 |
Warning |
|
|
|
|
|
|