Den Slogan “Sick Music For Sick People” haben sich die Franzosen von :A7ie: selbst gegeben und liegen damit noch gar nicht mal weit weg davon. Und das in einem überraschend positiven Sinn. Während sich Zeitgenossen wie Agonoize und andere auf möglichst harte Beats und provozierende Texte zu tanzflächentauglichen Melodien verlassen, gehen :A7ie: hier einen Weg, der ein bisschen anspruchsvoller zu sein scheint.
Relativ ruhig entführen einen die Songs in eine ziemlich düstere Welt in der dann auch so gut wie alles möglich zu sein scheint. trancige Klangteppiche, zwar immer untermalt von einem mal mehr, mal weniger stampfenden Beat, lassen einen durch diese Welt dahinschweben. Nein, eigentlich treiben diese Klangteppiche den Hörer in eine Richtung und auf etwas zu, von dem man eigentlich eher weglaufen würde. Eine ziemlich beklemmende Stimmung kommt vorallendingen durch diese Zurückhaltung auf, die bei jedem Track fast schon für Gänsehaut sorgt. So wirkt The Shattering auch eher wie ein Soundtrack zu einem Film, als wirklich ein eigenständiges Album. Was dem Hörgenuss aber keinen Abbruch tut. Sehr gute Beispiele hierfür sind unter anderem Scars, Angels (Dancing In The Dust) und Stay (in Silence).
Aber natürlich lässt auch diese Veröffentlichung nicht darüber hinwegtäuschen in welchem musikalischen Genre wir uns befinden. Die Beats und das übliche gekreische gehören ja schon zum Inventar bei Veröffentlichungen in diesem Bereich und spätestens bei Martyr wird das auch wieder ziemlich offenbar. Aber auch hier wird musikalisches Grenzland betreten und mit abwechslungsreichen Melodien experimentiert ab und an Tempiwechsel und Blastbeats eingestreut.
Alles in Allem liefern :A7ie: mit ihrem zweiten Album ein interessantes, erfrischendes und durchaus auch tanzbares Werk ab. Nur wird es für die Spaßgeneration der Diskothekenbesucher in weiten Teilen einfach zu tiefgründig sein. Denn in der Tat muss man sich auf manche Lieder einfach erst einlassen und dann ganz einfach seiner Fantasie ein bisschen Freiraum einräumen können um das Album wirklich ganz zu erfassen. Die meisten Songs laden dann doch eher zum gemütlichen dahintanzen ein, als zum szeneüblichen recht aggressiven Tanzen.
Natürlich sind auch hierfür einige Lieder vorhanden: Martyr, Words of Violence und Some Kind of Hate, sind nur mal drei Beispiele dafür, welche Lieder man als DJ durchaus auch mal einstreuen kann. Wie man sieht kann man bei dieser Veröffentlichung bereits am Titel des Liedes in etwa erkennen, was auf einen zukommen wird.
Das Remix von Some Kind Of Hate wirkt ein bisschen massenkompatibler als das Original und ich kann mir gut vorstellen, das dieser Track das eine oder andere mal in den Diskos laufen wird an entsprechenden Abenden. Ebenfalls das Fallen Mix von Angels wirkt sehr popkompatibel und erinnert fast ein bisschen an Blutengel, nur ohne den weiblichen Gesang. Ein sehr nettes Lied, aber mit dem Original hat es nicht mehr viel gemein, ausser vielleicht den Namen. Ähnlich verhällt es sich dann bei den beiden noch folgenden Remixen. Recht nett gemacht und gerade der Adeonesis Remix von Angels als letzter Track klingt nochmal recht satt. Erinnert in seiner gesamten Anlage aber sehr an Wumpscut und hat auch nicht mehr so richtig viel mit dem Original zu tun…
Mein Fazit zu diesem Release ist, das ich sehr positiv überrascht bin von der musikalilschen Reife, die hier an den Tag gelegt wurde. Musik wird hier wieder als etwas wichtiges angesehen mit dem man bewusst umgehen kann (und es auch sollte) und wo man mit vielen kleinen Stilmitteln einfach mehr draus macht, ohne es dabei unnötig zu überladen. Einziger Kritikpunkt, für den :A7ie: aber nichts können, sind die zuweilen doch recht eintönigen Beats. Man ist aber bemüht hier mit Tempiwechseln, Blastbeats und bewusst gestreuten ruhigeren Passagen der Eintönigkeit entgegenzuwirken.
Sehr gute Arbeit, deshalb 5 von 5 möglichen Punkten von mir.
Tracklist:
Tracklist
01 – Scars
02 – Some Kind Of Hate
03 – Neuroleptics
04 – Angels (Dancing In The Dust)
05 – Stay (In Silence)
06 – Martyr
07 – Words Of Violence
08 – I Liar
09 – Inner Fight
10 – Unbenannt
11 – Some Kind Of Hate (Eternal Hate by PREEMPTIVE STRIKE 0.1)
12 – Angels (Fallen mix by AKTIVEHATE)
13 – Neuroleptics (Terror Body Mix by SADIZTIK INJEKTION)
14 – Angels (Remixed by ADEONESIS)